05.11.2009
Der Flug von Kuala Lumpur nach Phnom Penh verläuft recht unruhig. Es gibt heftige Turbulenzen, der Pilot gibt sogar den Stewardessen die Anweisung sich anzuschnallen. Dummerweise während der Essensausgabe. Glücklicherweise habe ich mein Essen schon. Das Geruckel macht es aber nicht gerade leicht die Gabel zum Mund zu geleiten und so fällt auch schon der eine oder andere Happen wieder hin. Das Essen ist übrigens ausgezeichnet, es gibt Chicken Curry mit Reis und ein paar Shrimps. Sehr lecker und zu meiner Verwunderung auch ziemlich scharf. Ich komme sogar leicht ins schwitzen. Vorbei an gigantischen Palmenfeldern tauchen wir bald in ein Meer. Ein Meer aus Wolken. Ich befürchte schon schlimmstes was die Wetterlage angeht. Langsam aber sicher, in Richtung Festland, klart der Himmel aber wieder auf. Die ersten Inseln sind zu sehn und gleich dahinter endloses Flachland mit noch mehr endlos vielen Felder. Alle brav in einem hübschen Muster nebeneinander. Dadurch laufen einige kerzengerade Schotterpisten und Bewässerungsflüsse. Nach knapp 2 Stunden setzt der Flieger dann zur Landung an. Die Zollformalitäten sind schnell erledigt, die Beamten ziemlich übel gelaunt, viele tragen Masken. Beim Eingang wird man von einer Wärmebildkamera durchleuchtet, man kann sich selber auf einem Monitor betrachten, mein Kopf erscheint in grün. Hinter mir sehe ich ein paar rote Gesichter, schnell weg hier. Es ist kaum zu glauben, aber mein Gepäck, das ich am Findel abgegeben habe, rollt tatsächlich vom Fliessband! Obwohl mich Galileo Mystery schon 100 mal gelehrt hat wie so ein Logistikzentrum funktioniert bin ich trotzdem immer wieder erstaunt. Ich begebe mich zum Ausgang wo mir gleich die Hitze entgegenstürmt, ungefähr als wenn man einen Ofen mit 250°C Umluft öffnet und dabei reinkuckt. Es dauert kein Augenschlag schon bekomme ich ein Taxi bestellt und werde hineingeleitet. Es ist unerträglich heiß, eine Tafel zeigt 35°C. Ich zeige dem Taxifahrer die Wegbeschreibung zum Hotel, er kennt es bereits. Leider ist sehr viel Verkehr, der gute Mann erklärt mir dass jetzt viele vom Job nach Hause fahren (es ist nicht mal 12.00??) Per Stopp and Go geht’s dann langsam Richtung Zentrum. Was ich gleich bemerke, es gibt keine Regeln auf der Strasse. Die tollen, hochmodernen Ampeln die sogar anzeigen wie lange es noch rot / grün ist, gibt es zwar, jedoch nur auf jeder 20. Kreuzung. Und so läuft der Verkehr nach dem Prinzip wer zuerst kommt fährt zuerst. Alle fahren irgendwie in irgendwelche Lücken, es wird gehupt, über die Gegenfahrbahn überholt, die Motoroller fahren wie verrückt. Ein Albtraum für jeden KFZ- und Lebensversicherer. Ich frage den Taxifahrer nach Unfällen, er lacht “yeees, many accidents, many accidents”. Das Strassenbild ist sehr spannend. Der Kontrast könnte größer nicht sein. Auf den Bürgersteigen sitzen Kinder mit ihren Eltern, es gibt unzählige Strassenläden mit Ramsch. Man sieht Menschen die Ochsenkarren ziehen, man sieht Leute auf Dächern von überfüllten Minibussen sitzen, man sieht die teuersten Lexus Limousinen, BMW X6, Mercedes S550, Hummer, Range Rover, Cadillac Escalades, vor allem dicke V8 SUV’s. An die in “Sitten”, die in manchen Guides beschrieben sind, scheinen sich hier auch viele nicht zu halten. Mädchen in Hotpants die mit ihren Freunden auf Motorrädern herumfahren oder in Spaghettitops rumlaufen, Leute in kurzen Hosen die die Knie nicht verdecken, laut Guides alles No Go’s. Keinen scheint’s zu stören. Nach unzähligem Gehupe und Beinahe-Unfällen biegt der Fahrer endlich links rein, natürlich halsbrecherisch einfach über die Kreuzung drüber, der Gegenverkehr wird schon aufpassen. Wir halten an einer Barriere, der Fahrer muss den Barriereaufpassbeauftragten erstmal überzeugen die auch zu öffnen. Anscheinend wohnt hier ein Minister. Wir halten, ich steige aus und schon hat ein Kofferträger unaufgefordert meinen Rucksack auf dem Rücken. Mir ist klar dass ich jetzt bereits den ersten Dollar los bin, aber was soll’s, die Leute müssen ja auch von irgendwas leben. Dem Taxifahrer drücke ich 10€ in die Hand, er fragt mich ob ich heute Nachmittag die Killing Fields besuchen möchte. Kundenbindung eben. Da ich aber flexibel sein möchte sage ich ihm dankend ab. Das Hotel ist sehr ruhig gelegen und doch mitten in der Stadt, umgeben von einem sehr schönen Garten und einem Pool. Mein Zimmer ist bereits vor der Check-In Zeit fertig und so kann ich mein kleines aber feines Zimmer beziehen. Ein grosses Doppelbett, ein Bad, Safe, Klimaanlage, alles was man so braucht. Nachdem ich mich mein ganzes Zeug erstmal auf dem Bett und Boden verteilt habe mach ich mich, mit dem Lonely Planet bewaffnet, auf den ersten Erkundungsgang. Ich habe vor erst mal Richtung Fluss zu gehen, aber irgendwie sind die Distanzen doch etwas weiter als gedacht. Also rein ins Tuk Tuk und ab zum Wat Phnom, dem einzigen Hügel in Phnom Penh. Hier kommen viele Leute zum beten, Touristen werden erstmal zur Kasse gebeten. So billig das Land auch sein mag, irgendwie wird man sein Geld doch schneller los als man Dollar sagen kann. Hier 1$ da 1$, es summiert sich. Ich besteige also den besagten Hügel und ich sehe eine Familie die scheinbar hier nebst einem Baum lebt. Es dauert nicht lange und die kleinen Kinder kommen angelaufen um zu betteln. Es ist schon hart einfach weiterzugehen. Schnell haben sie aber von mir abgelassen. Nach einer kurzen Besichtigung und der Begutachtung des untenstehenden Elefanten, der auf Touristen wartet, mache ich mich zu Fuss wieder auf den Weg. Die Zurufe der Tuk Tuk-Fahrer beantworte ich mit einem kurzen Kopfschütteln. Es geht vorbei an der amerikanischen Botschaft, die eher Fort Know gleicht als einer Botschaft. Meterhohe Mauern und Gitter, dahinter ein riesiges Gebäude und ein Spielplatz, davor eine Menge Wachen. Ich schieße ein Foto, von weitem höre ich eine Trillerpfeife, der Wachmann hat mich bemerkt. Ziemlich paranoid diese Amerikaner…Die Hitze wir allmählich unerträglich und ich rufe mir wieder ein Tuktuk. Nach kurzem verhandeln um den Preis von 2$ auf 1$ lasse ich mich zum Royal Palace fahren. Es ist eine wahrhaft impressionante Anlage mit einem ebenso impressionanten Eintrittspreis von 7,5$. Allerdings ist es das auch wert. Auch die klischeehaften Postkartenfotos samt in orange bekleideten Mönchen kann man hier schiessen. Die Mönche sind meist selber Touristen die mit Kameras rumlaufen und sich gegenseitig ablichten. Was mir hier auch aufgefallen ist, und as bereits am Flughafen, dass die allermeisten mit Laptoptaschen herumlaufen. Scheint wohl Trend zu sein. Anschliessend habe ich noch die Silberpagode besichtigt. Nach diesem Rundgang begebe ich mich zum Ausgang wo bereits eine Horde Tuk Tuk und Motodup-Fahrer auf die Touristen. Hier beschließe ich mich das erste Mal in meinem Leben auf ein Motorrard zu steigen. Ich glaub etwas gefährlicheres kann man hier nicht machen. Aber es ist auch die abenteuerlichste (und billigste) Art des Reisens. Wenn auch sicherlich nicht die bequemste. Ich lasse mich zu einem der wenigen, wenn nicht gar zum einzigen, Shoppingcenter der Stadt fahren. Ständig muss ich die Beine einziehen um nicht mit Autos und anderen Motorradfahrern zu kollidieren. Mein Fahrer rennt auch einfach über Kreuzungen, vorher wird kurz gehupt, die anderen werden schon aufpassen. Als wir endlich angekommen sind steige ich heilfroh vom Motorrad ab, zahle meinen Dollar und denke “Nie nie wieder”. In dieser Mall gibt es alles mögliche, gefälschte Kleider von Abercrombie & Fitch bis zu Yves Saint Laurent. Aber auch ein Supermarkt, wo ich mich erstmal mit Wasser und Cola eindecke. Kaum wieder draußen sitze ich wieder auf einem dieser Motodups, den Motorardtaxis. Ich lasse mich zum Hotel fahren. Am Abend fahre ich noch zur Riverside wo ich im berühmten FCCC was esse und mir ein Bier genehmige. In diesem Hotel wohnten während des Vietnamkrieges die ganzen berühmten Kriegsberichterstatter, einige schöne Fotos hängen nebst Geckos an den Wänden. Nach meinem doch etwas teueren Mahl fahre ich wieder ins Hotel wo ich erstmal versuche zu schlafen, was mir aber leider nicht gelingen will, dank Jetlag. Irgendwie döse ich doch ein, erwache wieder, gucke auf die Uhr und stelle fest: “Toll, bereits zwei Stunden geschlafen!” Um 04:00 wache ich wieder auf, das mit dem schlafen wird wohl nichts. Also schreibe ich an diesem Text hier weiter bis mir dann irgendwann doch die Augen vor Müdigkeit brennen…